1. Schulprofil

Wir – die Förderschule Lebensweg – sind eine Schule für Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Seit 1991 werden Schülerinnen und Schüler in der Heideschule Holzdorf – 2021 Umzug nach Jessen und Umbenennung in Förderschule Lebensweg, unterrichtet und auf ein weitestgehend selbstständiges und autonomes Leben vorbereitet.

Zurzeit lernen 49 Schülerinnen und Schüler in 6 Klassen an unserer Schule.
Der Unterricht in der FÖS Lebensweg wird nach den allgemeinen Richtlinien und Grundsätzen sowie insbesondere orientiert am Lehrplan für den Förderschwerpunkt geistige Entwicklung durchgeführt. Die Schüler durchlaufen in ihrer Schulzeit die Grundschulstufe, Mittelschulstufe und Berufsschulstufe. Durch eine durchschnittliche Klassenstärke von 8 Schülerinnen und Schülern ist eine individuelle und auf die besonderen Entwicklungen und Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler zugeschnittene Unterrichtsgestaltung möglich. Dabei dient dem pädagogischen Team weiterhin der individuelle Förderplan, der für jede Schülerin und jeden Schüler erstellt wird, als weiterer Orientierungspunkt.
Der größte Teil des Unterrichts wird durch die Klassenleitung gestaltet, der Fachunterricht wird ergänzend dazu von entsprechenden Fachlehrkräften durchgeführt. Pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, persönliche Schulbegleiterinnen und Schulbegleiter und Pflegekräfte begleiten und unterstützen den Unterricht. Therapeutinnen und Therapeuten verhelfen durch Einzeltherapieangebote den Schülerinnen und Schülern zu einer optimalen Lernsituation.

 

Wichtige Grundsätze des Unterrichts an unserer Schule sind:
• Erziehung zur Selbständigkeit
• Ganzheitlichkeit
• Lebensnähe
• individuelles Lernen
• soziales Lernen
• handlungsorientiertes Lernen

 

Unsere Schule liegt am östlichen Rand des Landes Sachsen-Anhalt und des Landkreises Wittenberg. Das Einzugsgebiet unserer Schule erstreckt sich von den Städten Jessen und Annaburg bis hin zu den vielen kleinen Dörfern die sich im Altkreis Jessen befinden.

2. Leitidee

„Lehren und lernen mit Kopf, Hand und Herz“

 

Unsere Schulform ermöglicht wie kaum eine andere auf körperliche, emotionale und geistige Bedürfnisse der Schülerschaft einzugehen. Wir wollen unsere Schülerinnen und Schüler da abholen, wo sie stehen.
Unsere Schülerinnen und Schüler lernen hauptsächlich durch praktisches Tätigsein (Hand) und durch Nachahmung. Das erfordert vom pädagogischen Personal sich alltägliche Handlungsabläufe bewusst zu machen, um sie den Schülerinnen und Schülern so vermitteln zu können, dass sich ihr Handlungsspielraum erweitert.
Die emotionale Komponente (Herz) bedeutet, eine Atmosphäre zu schaffen, die geprägt ist von Annahme, Verständnis, liebevoller Zuwendung und Freude. Damit wird der Wunsch zu lernen entwickelt bzw. verstärkt. Die Kinder und Jugendlichen erhalten dadurch die Möglichkeit, positive Umgangsformen und Charaktereigenschaften bei sich selbst ebenfalls zu kultivieren. Dabei ist es wichtig, dass wir – die Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher, Betreuerinnen und Betreuer wie auch Therapeutinnen und Therapeuten selbst vorleben, was wir von den Schülerinnen und Schülern erwarten.
Lehren und lernen mit Kopf heißt für uns, die geistigen Fähigkeiten unserer Schülerinnen und Schüler zu erkennen, ihnen zu helfen, diese weiterzuentwickeln, aber auch ihre Grenzen zu akzeptieren.

 

Durch die Lage der Förderschule Lebensweg gibt es viele Möglichkeiten, die Schülerinnen und Schüler für die Wahrnehmung ihrer Umwelt zu sensibilisieren. Pestalozzis anthropologisch tief durchdachter Bildungsprozess mit „Kopf, Herz und Hand“ kann hier optimal umgesetzt werden.
Lehren und lernen mit „Kopf, Herz und Hand“ heißt auch, die Wechselwirkung zwischen diesen drei Komponenten zu verstehen und zu nutzen:
Das Lernen, und damit einhergehend die Persönlichkeitsentwicklung insgesamt, vollzieht sich auf mentaler, emotionaler und physischer Ebene. Unser Denken sowie unsere bewussten und unbewussten Grundüberzeugungen bestimmen unser Gefühlsleben und unsere Gefühle bestimmen unser körperliches Wohlbefinden, unsere Gesundheit. Veränderungen auf einer dieser Ebenen ziehen Veränderungen auf den anderen beiden Ebenen nach sich.

 

Diese Leitidee „Lehren und Lernen mit Kopf, Herz und Hand“ begleitet uns schon lange Zeit. Die Erfüllung dessen sehen wir als langfristigen wechselseitigen Entwicklungs- und Wachstumsprozess des pädagogischen Teams und der Schülerschaft an.
Die Schülerschaft der Förderschule Lebensweg ist sehr heterogen. Nicht nur Kinder mit einer geistigen Behinderung, sondern auch mit Schwerstmehrfach- bzw. komplexer Beeinträchtigung, einer Körperbehinderung oder blinde Schülerinnen und Schüler werden unterrichtet.
In den letzten Jahren veränderte sich die Schülerschaft unserer Schulform zusehend. Auch der Anteil der Schüler mit sozial-emotionalen Auffälligkeiten nimmt in unserer Schule einen immer größeren Raum ein.
Daher ist die Zusammenarbeit mit dem sozialen Umfeld der Schülerinnen und Schüler insbesondere mit den Eltern sehr wichtig. Wir brauchen sie als Partner, die die Arbeit akzeptieren, mittragen und unterstützen.

3. Ist – Standards

Unsere Schule befindet sich in einem Neubau, der behindertengerecht und auf ausgerichtet auf die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler gebaut wurde. Unsere Schule befindet sich in einem Gewerbegebiet und liegt gegenüber der Behindertenwerkstatt des Augustinus Werkes. Derzeit gibt es 6 Klassen an unserer Schule. Jede Klasse verfügt über einen Klassenraum. Der Unterricht findet in individuellen Kleingruppen statt. Verschiedene Räume bieten ebenso die Möglichkeit zur Entspannung und Erholung für einzelne Schülerinnen und Schüler. Des Weiteren verfügen jeweils 2 Klassenräume zusammen über einen eigenen Küchenbereich.
Neben den Unterrichtsräumen nutzen die Schülerinnen und Schüler sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weitere Räumlichkeiten, wie den Snoezleraum, den Werkraum, den Töpferraum, den Computerraum mit Internetzugang, die Aula, das Teamzimmer und die Hauswirtschaftsküche.
Unterrichtet werden die Schülerinnen und Schüler derzeit von 8 Lehrkräften. Um den Unterricht individuell und differenziert gestalten zu können sowie der Spezifik der Behinderungen gerecht zu werden, wird der Schulalltag durch pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter begleitet. Gelegentlich unterstützen Praktikanten für unterschiedlich lange Zeiträume den Unterrichtsalltag.
Ein wesentliches Kennzeichen der Förderschule Lebensweg ist das sehr grüne und liebevoll gestaltete Außengelände. So stehen der Schülerschaft und den Lehrkräften verschiedenste Möglichkeiten zur Verfügung, um den Unterricht aber auch die Freizeit lebensnah und praktisch zu gestalten. Die vorhandenen Anlagen und Gerätschaften werden durch die Klassen betreut und gepflegt. Auf dem Spielplatz und dem Fußballfeld können sich die Schülerinnen und Schüler sportlich betätigen. Die nähere Umgebung der Schule ist geprägt durch Wälder, welche ebenfalls regelmäßig für Naturerkundungen genutzt werden.

 

Der Bereich des lebenspraktischen Unterrichts zieht sich wie ein roter Faden durch den Schulalltag. Beispielsweise nehmen die Schülerinnen und Schüler gemeinsam das Frühstück und das Mittagessen ein. Die Vorbereitungen für die Mahlzeiten werden von den Schülerinnen und Schülern unter Anleitung selbst geleistet, immer mit dem Ziel, eine größtmögliche Selbstständigkeit zu erzielen. Sie lernen Gegenstände des täglichen Gebrauchs kennen und sie sinnvoll einzusetzen. Dabei werden Handlungsabläufe trainiert und automatisiert. Ferner findet während der Mahlzeiten Kommunikation, Interaktion und soziales Lernen statt. Umgangsformen und Regeln werden geübt und vertieft.
In dem Bereich der lebenspraktischen Tätigkeiten fließen auch Lernziele aus dem Bereich der Kulturtechniken ein: z.B. Zählen, Zuordnen und Benennen von Gegenständen. 
Der Werkbereich an unserer Schule bietet vielfältige Möglichkeiten, motorische Grundfunktionen auszubauen und selbständige manuelle Tätigkeiten zu erreichen. So gibt es Ausstattungen für den Holz- und Metallbereich sowie die Töpferwerkstatt.

Natürlich kommen auch sportliche Aktivitäten nicht zu kurz, nicht zuletzt im Hinblick auf die Verbesserung der physischen Gesamtverfassung der Schülerschaft. Hierzu findet Sportunterricht in der Turnhalle des Gymnasiums in Jessen sowie Schwimmunterricht in der Schwimmhalle der ansässigen Bundeswehrdienststelle in Holzdorf statt. Weiterhin werden im Nachmittagsbereich verschiedene kreative sowie sportliche Kurse angeboten, an denen die Schülerinnen und Schüler teilnehmen.

4. Entwicklungsziele

Methodenkompetenz
Handeln wird durch Handeln erlernt


Der Unterricht bietet realitätsnahe, lebendige Situationen in denen die Schülerinnen und Schüler selbst handeln. Der Schulalltag an unserer Schule ist ganzheitlich. Er schließt das gesamte Individuum mit allen Stärken und Schwächen ein und berücksichtigt dabei die individuellen Bedürfnisse, Ressourcen und Entwicklungsstände. Im Unterricht haben die Schülerinnen und Schüler so die Möglichkeit sich mit der Welt auseinanderzusetzen und sie für sich begreifbar zu machen. Grundlagen eines guten Unterrichts sind das Einbeziehen fachwissenschaftlicher Erkenntnisse, das Fördern aber auch Fordern jeder Schülerin und jedes Schülers, Methodenvielfalt, Binnendifferenzierung, welche unverwechselbar auch mit dem Beschreiten neuer Lernwege einhergeht.

 

Maßnahmen:
- lebensunmittelbare, dem täglichen Erfahrungsbereich der Schülerschaft entnommene Lehr- und Lerninhalte
- handlungsorientierter Unterricht, der sowohl dem gegenwärtigen Entwicklungsstand jeder einzelnen Person gerecht wird, als auch zukunftsorientiert ist
- Schul- und Klassenprojekte
- Fördern und Anleiten zum selbstständigen Arbeiten durch freie Unterrichtsformen (Wochenplan, Arbeit an Stationen)
- Schaffen von Möglichkeiten zur Berufsberatung für die Schülerinnen und Schüler der Berufschulstufe
- Gesundheitserziehung, das Bewusstmachen der Wichtigkeit einer ausgewogenen Ernährung und Umwelterziehung sind Grundpfeiler der täglichen pädagogischen Arbeit

 

Sozialkompetenz
Zur Aktivität anregendes Schulleben aller Beteiligten


Einen sehr großen Teil ihrer Entwicklungszeit verbringen die Schülerinnen und Schüler in der Schule. Um den Schulalltag, aber auch das Leben in der Öffentlichkeit situationsangemessen zu bewältigen, werden den Schülerinnen und Schülern Werte, Normen, Verhaltensweisen und Regeln vermittelt, die ihnen eine Orientierung bieten. Im täglichen Umgang miteinander streben wir Kommunikationsformen an, die von gegenseitiger Achtung, Mitgefühl (liebevoller Annahme) und Offenheit geprägt sind. Zur Förderung der emotionalen Entwicklung, zur Herausbildung von Einfühlungsvermögen und gegenseitigem Verständnis ist es für unsere Schülerschaft besonders wichtig, Emotionen bei sich selbst und bei anderen im Alltag wahrzunehmen, zeigen und verbalisieren zu lernen. So werden sie in die Lage versetzt, Selbstbewusstsein zu entwickeln und Grenzen zu setzen sowie eigenverantwortlich zu handeln.
Des Weiteren bietet die aktive Mitarbeit der Schülerinnen und Schüler bei allen Schulveranstaltungen die Möglichkeit ihre sozialen Kompetenzen wie Eigenverantwortlichkeit, Teamfähigkeit oder Kooperationsfähigkeit unter Beweis zu stellen und sogar zu steigern.


Maßnahmen:
- Ausüben von Ämtern und Diensten in den Klassen
- Organisation und Mitgestaltung von Projektwochen und Schulfesten
- Bereitstellen von Beschäftigungsangeboten beispielsweise durch das Angebot der verschiedenen Freizeitkurse
- Entwickeln von Verhaltensregeln im Klassenkontext und in der Öffentlichkeit
- Vermitteln von Werten und Normen im Unterrichtsprozess
- Gemeinsame Gespräche über das eigene Verhalten der Schülerinnen und Schüler zum Beispiel im Morgenkreis
- Anbahnen der Fähigkeiten sich selbst aber auch andere zu akzeptieren

 

Fachkompetenz

 

An unserer Schule unterrichten Lehrkräfte mit den unterschiedlichsten Qualifikationen hinsichtlich Fach und Förderschwerpunkt. Neben den Lehrkräften unterstützen unterrichtsbegleitend und im Freizeitbereich pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Lern- und Entwicklungsprozess unserer Schülerinnen und Schüler. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Schule haben das Recht und die Pflicht sich im Allgemeinen aber auch im berufsspezifischen Bereich fort- und weiterzubilden. Diese Fortbildungen dienen vorrangig dazu, den laufenden Veränderungen des Berufsbildes Rechnung zu tragen, sowie neueste wissenschaftliche Erkenntnisse in den Unterrichtsprozess mit einzubinden.
Des Weiteren unterstützt ein Netzwerk von Therapeutinnen und Therapeuten die Schülerinnen und Schüler in ihrer Entwicklung (Physio-, Ergo- und Logopädie). Auch ein Schulhund und dessen Trainerin kommt regelmäßig um ausgewählte Klassen im Unterricht zu begleiten.


Maßnahmen
- Erweiterung der Kompetenzen der an der Schule arbeitenden Fachkräfte durch externe und interne Weiterbildungen
- Durchführung gegenseitiger Hospitationen und Unterrichtsbesuche
- enge Zusammenarbeit durch gezielte Absprache mit den Therapeuten sowie Einbeziehen unterrichtsbegleitender Therapiemaßnahmen
- monatlich stattfindende Teambesprechungen innerhalb der Klassen
- Durchführen von Dienstberatungen und Fachkonferenzen unter anderem bzgl. der Gestaltung des Fachunterrichts an unserer Schule

- Erarbeitung von Schutzkonzepten u.ä.

 

Umfeld/Öffentlichkeit


Das Bewegen in der Öffentlichkeit und das Kennenlernen verschiedener Institutionen, Betriebe, Ämter und öffentlicher Einrichtungen ist ein zentraler Aspekt des Schullebens. Unsere Schülerinnen und Schüler werden somit auf ein Berufs-, Freizeit- und Alltagsleben vorbereitet, welches sie weitestgehend selbstständig führen können. Die gegenüberliegende Werkstatt des Augustinuswerkes, die Altenpflege, die umliegenden Firmen, die Bibliothek, die Schulen in Jessen, sowie die Supermärkte und die nahe gelegene Bundeswehr sind wichtige Kooperationspartner unserer Schule.


Maßnahmen:
- Wettbewerbe mit uns nahestehenden Einrichtungen (z.B.: integratives Sportfest)
- regelmäßige Präsentationen
- Praktika
- Klassenfahrten
- Schwimmunterricht
- Besuch verschiedener öffentlicher Einrichtungen
- integrative Veranstaltungen mit den Kooperationspartnern

 

Elternarbeit


Eine enge Zusammenarbeit mit den Erziehungsberechtigten ermöglicht eine ganzheitliche Förderung der Kinder und Jugendlichen. Dabei sind persönliche Gespräche genauso wichtig wie thematische Elternabende und die Unterstützung bei Ämtern und Behörden.
Aber auch Eltern werden aktiv in die Gestaltung des Schullebens einbezogen. Durch die Arbeit des Schulelternrates und des Fördervereins „Kinderlachen e.V.“ werden verschiedene Themen besprochen und Projekte realisiert.

 

Maßnahmen:
- Thematisierung und Abstimmung der individuellen Förderpläne zwischen Klassenteams und Eltern
- gemeinsame Gespräche zu Erziehungsfragen, Lernmethoden und Fragen zu Behinderungen und Anträgen
- Unterstützung und Vorbereitung schulischer Höhepunkte

- Zusammenarbeit von Lehrkräften und Eltern, sowie der Schule nahestehender Personen im Förderverein der Schule

5. Maßnahmen, Umsetzung und Evaluation

 

Alle Informationen und Dokumente dazu werden für jedes Schuljahr im Schuljahresarbeitsplan festgehalten. Die Evaluation erfolgt immer zu Beginn des darauffolgenden Schuljahres. 




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